Autor Thema: Neue OBS-Studie - Tagesschau als Propagandist des Migrationspakt-Projektes  (Gelesen 185 mal)

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Otto Brenner Stiftung, Mai 2019

Zwischen „Flüchtlingskrise“ und „Migrationspakt“ - Analyse medialer Lernprozesse

Pressemitteilung

Zitat
+++ OBS-Studie untersucht Berichterstattung zum Migrationspakt +++ Hat die überregionale Tagespresse Fehler der Flüchtlingsberichterstattung von 2015 wiederholt? +++ Ergebnis: Einige Zeitungen haben sich um vielstimmige Vermittlung des Konfliktthemas bemüht +++ Die Newssites der Zeitungsverlage boten eine deutlich höhere Informationsdichte als ihre Printausgaben +++ Journalisten ausgewählter Lokal- und Regionalzeitungen bemühen sich um „Perspektivenwechsel“ und suchen Lesernähe +++ Einstellung und Berufsverständnis bleiben Hürden, diagnostiziert Studienautor Prof. Michael Haller +++

Frankfurt am Main, den 20. Mai 2019 – Gab es über den UN-Migrationspakt nichts zu diskutieren? Zwei Wochen vor der UN-Beschlussfassung kommentierte die Tageszeitung Die Welt: „Ganz unabhängig davon, wie man inhaltlich zu diesem Papier steht, ist doch alleine der Eindruck fatal, hier solle eine internationale Vereinbarung ohne politische Diskussion durchgewunken werden. Dass man diesen Eindruck entstehen ließ, ist umso unverständlicher, als seit dem Flüchtlingsherbst des Jahres 2015 das Misstrauen der Bürger gegenüber der Politik spürbar gewachsen ist“ (20. November 2018).

Wie konnte dieser Eindruck entstehen? Will man diese Frage beantworten, kommt man nicht umhin, die Rolle der meinungsführenden Medien zu betrachten: Haben diese es diesmal besser gemacht als die Politiker? Wurde frühzeitig über die Hintergründe des Migrationspaktes informiert? Wurden verschiedene Positionen auf den Prüfstand gestellt und diskutiert? Wurden auch Bedenken skeptisch eingestellter Bürgerinnen und Bürger zum Thema Migration einbezogen? Haben, mit anderen Worten, die Leitmedien aus dem Vertrauensschwund der Phase 2015/16 die Einsicht gewonnen, dass sie sich bei gesellschaftspolitischen Konfliktthemen um den öffentlichen Diskurs kümmern und eine zu starke moralische Aufladung der Berichterstattung vermeiden sollten?

Diesen Fragen geht jetzt Michael Haller in einer aktuellen Analyse nach. Er greift dabei zurück auf die Ergebnisse der groß angelegten Untersuchung über „Die Flüchtlingskrise in den Medien“, die die OBS im Juli 2017 veröffentlicht hat und die in der Fachöffentlichkeit eine zum Teil heftige Diskussion über die Rolle des Journalismus in Gang setzte. Stiftung und Studienleiter wollten wissen, ob die damalige Untersuchung in der Medienwelt Spuren hinterlassen hat – oder ob die Journalisten die Funktionskritik überwiegend abgewehrt haben. Der Frage wurde am Beispiel des UN-Migrationspakts nachgegangen. Sämtliche Berichte, die im zweiten Halbjahr 2018 von den tagesaktuellen Leitmedien online und Print publiziert wurden, wurden quantitativ und qualitativ geprüft. Als Ergebnis seiner Analyse deutet Michael Haller an, dass „einige Medienredaktionen die Art der Themenvermittlung verändert haben und vom Kathederjournalismus herabgestiegen sind“.

Lernprozesse spielen auch im zweiten Teil des neuen OBS-Arbeitspapieres eine zentrale Rolle. Die Veröffentlichung der Studie „Die Flüchtlingskrise in den Medien“ im Sommer 2017 hat nicht nur zu einer kontroversen Rezeption in der medialen Öffentlichkeit geführt, sondern war auch Anlass für verschiedene Lokal- und Regionalredaktionen, mit dem Studienautor ins Gespräch zu kommen. Dabei ging es immer wieder um die Frage, ob und wie die ermittelten Dysfunktionen in der konkreten redaktionellen Arbeit identifiziert und eventuell überwunden werden könnten. Auch hier sind Hallers Eindrücke gemischt: In vielen Redaktionen werde das Problem der Elitenabhängigkeit und der Bürgerferne erkannt, doch fehlten vielerorts die personellen Gegebenheiten, um nachhaltige Lernprozesse anzuschieben bzw. in Gang zu halten. „Die Redaktionen der von uns besuchten Lokalzeitungen kennen das strukturelle Problem der Bürgerferne sehr wohl. Sie verweisen darauf, dass viele Seiten des Lokalteils mittels relativ starrer Produktionsroutinen gefüllt werden“, sagt Haller. Vor allem rechercheintensive Problemthemen würden viel zu selten aufgegriffen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die 2017 konstatierte Sinn- und Strukturkrise der Mainstreammedien erkannt, aber keineswegs überwunden ist“, urteilt Michael Haller: „Die von den Journalisten beschriebene Wirklichkeit ist noch immer entfernt von der Lebenswelt eines wichtigen Teils ihres Publikums“.

Bei aller Manöverkritik dürfe eines aber nicht übersehen werden: „Viele Journalisten“, so betont Michael Haller, „recherchieren und schreiben herausragende Berichte auch über schwierige Konfliktthemen. Und manche Zeitungsredaktion kümmert sich um eine ausgewogene Berichterstattung, die auch Andersdenkende zu Wort kommen lässt.“

OBS-Geschäftsführer Legrand verknüpft mit dieser Publikation die Hoffnung, „dass die Ursachen des Bruchs im öffentlichen Diskurs weiter untersucht und bewertet werden“. Denn, so Forschungsleiter Haller und Stiftungs-Chef Legrand weiter, „das Anliegen dieser Studie gilt der Frage, ob und wie die Informationsmedien für Aufklärung sorgen und die gesellschaftliche Verständigung ve

Weiterlesen auf:
https://www.otto-brenner-stiftung.de/sie-moechten/presseinfos-abrufen/detail/news/fluechtlingskrise-und-migrationspakt/news-a/show/news-c/NewsItem/news-from/112/

Direktlink zur Studie (pdf, 625 kb)
https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/02_Wissenschaftsportal/03_Publikationen/AP37_Fluechtlingskrise_II_Haller.pdf

Zitat von: OBS-Studie S.27-28
[…] Doch die aus der keineswegs rosigen Alltagswelt vieler Bürgerinnen und Bürger kommenden Fragen und Einwände werden kaum je aufgegriffen (betrifft vor allem die Süddeutsche Zeitung, nicht aber die Welt). So bleiben die Bedenken der von der „GroKo“-Politik Übergangenen weitgehend ausgeblendet, das heißt, sie blitzen nur kurz auf, wenn es (wie in Belgien) zur Radikalisierung kommt. Dies deckt sich mit unserer Studie über die „Flüchtlingskrise“ in den Medien 2015/16: Wenn die meinungsprägenden Leitmedien gesellschaftspolitisch brisante Vorgänge thematisieren, sind sie, allen voran die Tagesschau, auf die Machtelite fixiert;22 sie informieren nach Maßgabe klassischer Nachrichtenfaktoren, die keine kritischen Rückfragen an die Quellen und opponierende Akteure
vorsehen. […]

Zitat von: OBS-Studie S.31
[…] Bleibt noch die Manöverkritik, dass neben der Tagesschau die Süddeutsche Zeitung und
die tageszeitung (taz) eher als Propagandisten des Pakt-Projekts agierten und den Gegenargumenten kaum Raum gaben – und sich insoweit dem Diskurs entzogen. Diese Kritik lässt sich mit dem Hinweis auf die in unserem Bericht aufgezeigte publizistische Vielfalt leider nicht entkräften. Denn im Unterschied zu früheren, analogen Zeiten erwarten vor allem die jüngeren Mediennutzer von ihren tagesaktuellen Medien bei kontroversen Themen Binnenpluralität. Erhebungen26 zeigen dies: Eine journalistische Redaktion, die geschlossen als Verfechterin einer bestimmten Gesinnungsmoral auftritt, hat beim interessierten jüngeren Publikum keine guten Karten.

Zitat von: OBS-Studie S.61
Dass man abweichende Stimmen aus dem Publikum berücksichtigen soll, ist eine Einsicht, die nur
die operative Ebene betrifft: kein Lernen, sondern Anpassung an eine veränderte Nachfrage. Für die Tagesschau gilt nicht mal dies; sie folgt ihrem tradierten Leitbild des moralisierenden Belehrungsjournalismus.



Pressemeldungen hierzu:

Welt
Wenn Gesinnungsethik die sachliche Aufklärung verhindert
Von Christian Meier

Zitat
[…] Vor rund zwei Jahren hatte der frühere Journalist und spätere Kommunikationsforscher Michael Haller eine umfassende Analyse zur Berichterstattung der Flüchtlingskrise in den Medien vorgelegt. Überregionale Zeitungen, so der Befund aus einer Inhaltsanalyse von Zehntausenden von Beiträgen, hätten sich vor allem an den Positionen der politischen Elite abgearbeitet und zu wenig mit den Einschätzungen von Bürgern und ihrer Alltagswelt befasst. […]
Eine Studie der Uni Mainz kam später zu dem Ergebnis, Medien hätten problematische Aspekte der Flüchtlingskrise nicht ausgeblendet. Haller sagt dazu, er halte die beiden Untersuchungen für nicht vergleichbar, weil es bei der Mainzer Studie vor allem um die Frage gegangen sei, ob faktisch korrekt über Migranten berichtet wurde.

Nun legt der emeritierte Journalistik-Professor der Uni Leipzig eine neue Untersuchung im Auftrag der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung vor. […]

„Konfliktthema verschlafen“
[…] Während die „Bild“-Zeitung vor allem die innerpolitischen Konflikte in den Vordergrund gestellt habe, hätten „Süddeutsche“, „taz“ und „Tagesschau“ dagegen eher als „Propagandisten des Pakt-Projekts“ agiert. […]
https://www.welt.de/kultur/medien/article193777609/Migrationspakt-Michael-Haller-kritisiert-Leitmedien.html


Tagesspiegel
Die Medien und der UN-Migrationspakt - Runter vom Katheder
Von meh
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/die-medien-und-der-un-migrationspakt-runter-vom-katheder/24359472.html

Tichys Einblick
Medien-Studie zum Migrationspakt: Wer dazu gelernt hat, wer weiter manipuliert
Von Roland Springer
https://www.tichyseinblick.de/feuilleton/medien/medien-studie-migrationspakt-wer-dazu-gelernt-hat-wer-weiter-manipuliert/


Anmerkung:
Zitat von: Leitsätze zum Urteil des Ersten Senats vom 18. Juli 2018, Rn. 80
Dies alles führt zu schwieriger werdender Trennbarkeit zwischen Fakten und Meinung, Inhalt und Werbung sowie zu neuen Unsicherheiten hinsichtlich Glaubwürdigkeit von Quellen und Wertungen. Der einzelne Nutzer muss die Verarbeitung und die massenmediale Bewertung übernehmen, die herkömmlich durch den Filter professioneller Selektionen und durch verantwortliches journalistisches Handeln erfolgt. Angesichts dieser Entwicklung wächst die Bedeutung der dem beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk obliegenden Aufgabe, durch authentische, sorgfältig recherchierte Informationen, die Fakten und Meinungen auseinanderhalten, die Wirklichkeit nicht verzerrt darzustellen und das Sensationelle nicht in den Vordergrund zurücken, vielmehr ein vielfaltssicherndes und Orientierungshilfe bietendes Gegengewicht zu bilden (vgl. dazu Brinkmann, ZUM 2013, S. 193 <195, 198>; Dörr/Holznagel/Picot, ZUM 2016, S. 920 <936 f., 940 f.>; Drexl, ZUM 2017, S. 529 <530 ff.>; Langbauer/Ripel, MMR 2015, S. 572 <573>; Milker, ZUM 2017, S. 216 <221>).
https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2018/07/rs20180718_1bvr167516.html

siehe u.a. auch:
Aktuelle Studie_Michael Haller_Analyse von Presseberichten 2015-2016 vom 21. Juli 2017
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,23762.0

Weitere Gutachten und Arbeitshefte zu den Medien und deren Berichterstattung vom 04. Juli 2017
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,24950.0

Umfragen, Statistiken und Studien über den Rundfunkbeitrag [Sammelthread] vom 22. Oktober 2017
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,24950.0

Otto Brenner Stiftung kritisiert Berichterstattung von ARD/ZDF Griechenland-Krise
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,20155.msg130240.html#msg130240

Bieten ARD und ZDF Orientierung?
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,28149.0

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