Autor Thema: Schockwellenreiter (Olaf Arndt)  (Gelesen 253 mal)

Offline drone

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Schockwellenreiter (Olaf Arndt)
« am: 16. Mai 2020, 14:35 »
Einge kluge Betrachtungen zu den vielfältigen Spielarten medialer "Aufmerksamkeitsökonomie" in Zeiten von SARS-CoV-2 - und auch wir erinnern uns...? [1]

Schockwellenreiter (Teil 1)
von Olaf Arndt, 16.05.2020, telepolis, heise.de/tp/
Zitat von: Olaf Arndt (ausnahmsweise etwas länger)
Die zweite Welle: Risiko als Mittel politischer Strategie

Eine Woge neuer Begriffe schwappt über. Sie sind erklärungsbedürftig, weil sie uns bis vor kurzem kaum je begegnet sind. Auch unabhängig davon ist fraglich, ob sie bedeuten, was sie zu meinen scheinen. [...]

Framing

[...] Blicken wir genau ein Jahr zurück. Als die ARD sich weigerte, ein aus öffentlich-rechtlich errungenen Mitteln bei Elisbeth Wehling und ihrem Berkeley International Framing Institute in Auftrag gegebenes "Framing-Manual" zu veröffentlichen, schlugen die Wellen hoch.

Dabei hatte das Manual bei genauerer Betrachtung, als es einmal zugänglich war, gar nicht so besonders viel Aufregendes zu bieten. So schien das vor einem Jahr. Bloß ein weiterer Fall für den grassierenden "Beraterskandal". Eine junge Frau erhebt sich selbst zum Institut und verkauft ihre Marketingvorschläge als "Kognitionswissenschaft".

Selbst ihr Slogan auf S. 85: "Kontrollierte Demokratie statt jeder wie er will" klang vor Corona noch anders - und auch heute kaum klüger.

Es zeigte sich erst am Widerstand der ARD-Intendatin gegenüber der Herausgabe des Papiers, dass deutsche Medien mit der Absicht umgehen, sich professionell instruieren zu lassen, wie man erfolgreich bestimmte Bevölkerungsgruppen durch Wortwahl und Zuordnung stigmatisiert (Zitat: S.84: "Nutzen Sie innerhalb Ihrer faktischen Erklärungen und Darlegungen immer wieder Schlagwörter, die Ihre Hörer oder Leser daran erinnern, welches die moralische Prämisse des Themas ist, über das Sie gerade reden.").

Elisabeth Wehling hatte 2016 dafür den Aufschlag gemacht mit ihrer Publikation "Politisches Framing: Wie eine Nation sich ihr Denken einredet - und daraus Politik macht".

2019 war ich für sicher davon ausgegangen, dass es sich beim Berkeley International Framing Institute um eine jener mikroskopischen, unter dem Radar der Allgemeinbildung fliegenden Institutsanlagerungen an den berühmten Universitätsstandorten handele. Kein Fälscher würde wohl wagen, sich einen Titel anzuheften, der ihn unzulässigerweise mit 100 Nobelpreisträgern aus dem gleichen Haus verbindet.

Ich hatte vor einem Jahr keine Veranlassung, jedem Fall von Hochstapelei nachzugehen, dem irgendeine Intendantin einer öffentlich-rechtlichen Anstalt aufgesessen ist - auch wenn man dies eigentlich jedesmal tun müsste, wenn öffentliche Gelder verschwendet werden. Aber dafür reicht weder die Lebenszeit, noch hat der Auftrag an das ominöse Institut seinerzeit irgendeine bemerkenswerte, sichtbare Wirkung gezeigt.

Das ist heute anders.

Beim Nachschauen enthüllt sich nun Folgendes, das schon 2019 bekannt war: Entweder waren damals Geschäftsadressen in Berkeley preiswert mietbar, oder Google hat seine Algorithmen neu programmiert und den Instituts-Direktorenposten der Frau Wehling aus der Suchmaschinen-Findbarkeit gelöscht, so dass sich heute der Eindruck ergibt, dass die findige Beraterin bei Karl-Theodor zu Guttenberg Scharlatanerie studiert und daraus ein einträgliches Geschäft gemacht hat. Ähnlich sahen das vor einem Jahr schon die "salonkolumnisten". Das "Institut" war jedenfalls eine reine Verkaufs-Marke und in keiner Form an die altehrwürdige Universität angeschlossen.


Wäre Framing nicht aktuell überlebensentscheidend geworden, kein Pangolin hätte sich für ungeheuerliche Sätze wie diesen interessiert:

"... beim 3., 4., 5. Mal ergeben sich Einschleifprozesse im Gehirn und ein Wiedererkennungseffekt, egal ob die Sache wahrhaft ist oder eine Lüge. Und dann sagt das Gehirn irgendwann: Ist mir viel zu anstrengend, das ist für mich jetzt eine Wahrheit." (Elisabeth Wehling: Sprache und Ressentiment hängen zusammen; NDR ZAPP. Hamburg 6. Dezember 2018)

So revolutionär wäre das jedoch alles nicht, wenn man es nicht im Licht der gewaltigen Verleumdungskampagnen dieser Tage betrachtete. Im Grundkurs Linguistik eines jeden Germanistikstudiums erfährt der Student, dass Sprache politisch ist und derjenige, der die politische Macht innehat, auch Definitionsmacht besitzt. Sprachgebrauch ist per se moralisch: eine Herrschaftstechnik.

Sprachgebrauch, das sollten alle Deutschen im Geschichtsunterricht gelernt haben, kann eine Form von struktureller Gewalt annehmen, wenn er sich mit dem nötigen Budget und den geeigneten Techniken verbindet. [...]
(Hervorhebungen ergänzt, Text-Links nur im Original)
Besser ganz lesen auf:
https://www.heise.de/tp/features/Schockwellenreiter-4720732.html?seite=all


[1] Das ARD "Framing-Manual" (Links und Forenbeiträge)
FRAMING-­MANUAL - Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD (PDF, 89 Seiten, ~1,3MB)
von Elisabeth Wehling, "Berkeley International Framing Institute", ohne Datum (vermutl. 2017/18)
https://cdn.netzpolitik.org/wp-upload/2019/02/framing_gutachten_ard.pdf


sowie (kleine Auswahl aus dem Forum):
Internes Handbuch: Wie die ARD kommunizieren soll (11.02.2019)
https://gez-boykott.de/Forum/index.php?topic=30135.0
Teure Moral-Fibel - ARD zahlte 120.000 Euro für Framing-Manual (19.02.2019)
https://gez-boykott.de/Forum/index.php?topic=30222.0
Die große Verunsicherung - Das Medienjahr 2019 im Rückspiegel (16.01.2020)
https://gez-boykott.de/Forum/index.php?topic=33083.0
Corona und die Öffentlich-Rechtlichen: Danke, Rundfunkbeitrag! (19.03.2020)
https://gez-boykott.de/Forum/index.php?topic=33512.0
oder sich ergänzend der Forum-Suche bedienen...


Wir veröffentlichen das Framing-Gutachten der ARD
von Markus Beckedahl und Leonhard Dobusch, 17.02.2019, 15:18 Uhr, netzpolitik.org
https://netzpolitik.org/2019/wir-veroeffentlichen-das-framing-gutachten-der-ard/

(incl. lesenswerter "Ergänzungen"
https://netzpolitik.org/2019/wir-veroeffentlichen-das-framing-gutachten-der-ard/#comments
> greetings @drboe e.a.)


Weitere Artikel von Olaf Arndt (auf telepolis)
https://www.heise.de/tp/autoren/?autor=Olaf%20Arndt


(Was beim "Framing-Manual" vor einem Jahr - wenigstens teilweise - noch öffentlich kritisiert wurde, gehört bei örR und "Privaten" in Zeiten von SARS-CoV-2 nunmehr zum "guten Ton"...)

(Thread dient reinen Informationszwecken und kann geschlossen werden. Bitte hier keine Kommentare dazu! Danke!)


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« Letzte Änderung: 18. Mai 2020, 21:32 von Bürger »

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