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Allgemeines => Archiv => Pressemeldungen Oktober 2017 => Thema gestartet von: ChrisLPZ am 18. Oktober 2017, 02:56

Titel: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: ChrisLPZ am 18. Oktober 2017, 02:56
(http://up.picr.de/27651346ze.jpg)
Bildquelle: http://up.picr.de/27651346ze.jpg

Westdeutsche Zeitung, 18.10.2017

Zukunft von ARD und ZDF:
Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?

Von Donnerstag an treffen sich die Ministerpräsidenten der Länder zur ihrer Jahrestagung im Saarland. Auf dem Programm: Die Zukunft von ARD und ZDF.
Von Ulli Tückmantel

Zitat
[..]
Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung? Müssen zur Gewährleistung eines flächendeckenden Rundfunk-Empfangs und eines vielfältigen Programmangebots für die Allgemeinheit wirklich 21 Fernsehprogramme, 66 Radioprogramme und mehr als 120 Online- und App-Angebote zum Preis von mehr als acht Milliarden Euro betrieben werden? Bei den Antworten auf diese Fragen geht es – auch – um das Thema Beitragsstabilität. Nach der umstrittenen Finanzierungsumstellung 2013 von der alten GEZ (geräteabhängig; wer nutzt, zahlt) auf den steuerähnlichen Rundfunkbeitrag (jeder zahlt, auch ohne Nutzung) haben ARD und ZDF Überschüsse in Milliardenhöhe angehäuft.
[..]

Auf der Stuttgarter BDZV-Jahrestagung im September bat BDZV-Präsident Mathias Döpfner (Springer) den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), „bei der Gesetzgebung künftig deutlich stärker auf die Belange der Presseverlage zu achten. [..] Nur Staatsfernsehen und Staatspresse im Netz – das wäre eher etwas nach dem Geschmack von Nordkorea.“

Daraus machte die ARD eine anklagende (und für die Zuschauer völlig unverständliche Nachricht) „Tagesschau“-Nachricht, Döpfner habe ARD und ZDF als Staatsfernsehen beschimpft und mit Nordkorea verglichen. Ähnlich empfindlich und überzogen reagierte die ARD vor zwei Wochen auf den „Spiegel“-Titel „Die unheimliche Macht: Wie ARD und ZDF Politik betreiben.“ Darin konstatierte das Magazin zutreffend: „Im Lobbyistenstreit zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichen Sendern mag sich ein Riss auftun. Zwischen den Sendern und Teilen ihres Publikums öffnet sich gerade eine Kluft.“ Tatsächlich senkt vor allem die Finanzierung durch den Zwangsbeitrag für nicht bestellte und von kompletten Bevölkerungsgruppen nicht genutzte Medienleistungen die Akzeptanz von ARD und ZDF auf immer neue Tiefpunkte.

Davon will man bei den Sendern nichts wissen. [..]

Die ARD vergisst hier zu erwähnen, dass sie Verweigerer des monatlichen Rundfunkbeitrags mit Zwangsvollstreckungen und Gefängnis bedroht. Gleichzeitig sind es ARD und ZDF, die im europaweiten Vergleich den höchsten Anteil an den monatlichen Ausgaben für Medien pro Haushalt hat: Von den 39 Euro, die ein deutscher Haushalt im Durchschnitt monatlich für Medien ausgibt, streichen ARD und ZDF satte 42 Prozent ein. Zu Deutsch: Sie treiben erst die Kosten hoch, um dann zu behaupten, sie garantierten den freien Empfang. Richtig ist das Gegenteil: Nirgendwo in Europa lässt die öffentlich-rechtliche Rundfunkfinanzierung den Bürgern prozentual weniger Geld für privatfinanzierte Medien und damit für Medienvielfalt. [..]

Weiterlesen auf:
http://www.wz.de/home/politik/inland/zukunft-von-ard-und-zdf-gehoeren-sinfonieorchester-zur-grundversorgung-1.2538080?page=all
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: Bürger am 18. Oktober 2017, 03:04
Sehr verbreitungswürdiger aufklärerischer Artikel!!!
So langsam scheinen die Erkenntnisse um sich zu greifen und "hoffähig" zu werden... ;)
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: volkuhl am 18. Oktober 2017, 06:49
Dieser Artikel ist wirklich bemerkenswert: nicht reißerisch und manipulativ, sondern eher sachlich und gut recherchiert. DA gibt es nichts dran zu meckern. Mir gefällt besonders diese Formulierung:

Zitat
...
Daher empfahl 2016 die formal unabhängige „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten“, ab 2017 den Beitrag für die Gebührenperiode bis 2020 von monatlich 17,50 auf 17,21 Euro abzusenken. Dieser Empfehlung folgten die Ministerpräsidenten nicht.
...

Die Medien scheinen langsam zu begreifen und Roß und Reiter zu nennen. Überhaupt gehört die um sich greifende, zunehmend kritische Berichterstattung bzgl. öffrech eigentlich in unseren "Erfolgs-Thread"...
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: dreamliner am 18. Oktober 2017, 06:53
Eine kleine Ergänzung dazu.

Unter nachfolgendem Link kann man einmal nachlesen, was die Mitarbeiter in solch einem Orchester verdienen (hier beim NDR):

http://www.ndr.de/der_ndr/daten_und_fakten/handbuchpersonal174.pdf

Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: brverweigerer am 18. Oktober 2017, 08:11
Tatsächlich ein sehr gut geschriebener Artikel!

Inhaltlich neu für mich: Was zum Teufel hat das WDR-Orchester auf einem zwangsfinanzierten Betriebsausflug in Japan zu suchen??? :o Die Aktion kostet vermutlich mehrere Millionen, Flüge, hochwertige Spezialtransporte für Instrumente, Hotels, Spesen, Zuschläge... etc. pp. zusätzlich zu den "sowieso" anfallenden Orchesterausgaben. Das ist tatsächlich unglaublich. >:(

Soviel dazu, ich gehe jetzt zur Arbeit, um mit Leistungen für Kunden Geld zu verdienen.
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: Markus KA am 18. Oktober 2017, 10:27
Also das Thema ist nicht unbedingt neu:

Rundfunkbeitragsfinanzierte Orchester auf Auslands-Tourneen
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,21799.msg139178.html#msg139178 (https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,21799.msg139178.html#msg139178)

NDR Elbphilharmonie Orchester
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,21779.msg139079.html#msg139079 (https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,21779.msg139079.html#msg139079)

40 Politiker fordern Erhalt des SWR-Sinfonieorchesters
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,8265.msg59231.html#msg59231 (https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,8265.msg59231.html#msg59231)

Allerdings ist das Thema auch heute noch brisant und diskussionswürdig.

*Was leider fehlt ist eine sachliche und auf Zahlen basierte Recherche, die in der vorliegende Pressemeldung vermisst wird.
Es hat eher den Eindruck einer "reißerischen" Überschrift und Einleitungssatz: "Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung". Im Text findet sich keinerlei Bezug auf das Thema Sinfonieorchester. Es fehlen Grundangaben wie z.B. wieviele Orchester gibt es, zu welcher Rundfunkanstalt wo und welche Kosten verusachen diese...etc.

*Man darf sich wünschen, dass sich der Autor, Ulli Tückmantel,  in einem nächsten Artikel sich präziser dem eigentlichen Thema seiner Überschrift widmet.

Es wäre sicher auch für uns eine sehr interessante Aufgabe die Daten zum Thema Sinfonieorchester des ÖRR in einem eigenen Thema zusammenzutragen und hier zu veröffentlichen.

Sicherlich äußerst fragwürdig ist die Unterstützung der Film- und Orchesterförderung durch einen Rundfunkzwangsbeitrag.
Man darf sich auch an dieser Stelle fragen, warum gibt es keine Theaterförderung oder wie wird diese geregelt?
Förderungen dieser Art sollten und sind eigentlich Aufgaben des Staates.

* Korrektur: Ergänzungen und Daten zum Thema auf weiterführenden Seiten der Pressemeldung (siehe dazu Hinweis im nächsten Beitrag)
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: ChrisLPZ am 18. Oktober 2017, 10:50
Was leider fehlt ist eine sachliche und auf Zahlen basierte Recherche, die in der vorliegende Pressemeldung vermisst wird.
Es hat eher den Eindruck einer "reißerischen" Überschrift und Einleitungssatz: "Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung". Im Text findet sich keinerlei Bezug auf das Thema Sinfonieorchester. Es fehlen Grundangaben wie z.B. wieviele Orchester gibt es, zu welcher Rundfunkanstalt wo und welche Kosten verusachen diese...etc.

Vorsicht. Der Artikel besteht aus 4 Seiten.
Oder man benutzt den Link zur Komplettdarstellung des Artikels (ich werden den Link im Ausgangspost durch diesen ersetzen):
http://www.wz.de/home/politik/inland/zukunft-von-ard-und-zdf-gehoeren-sinfonieorchester-zur-grundversorgung-1.2538080?page=all

Hier findet man u.a.:
Zitat
Vom 21. bis zum 29. Oktober geht das WDR-Sinfonieorchester wie schon 2014 auf Japan-Tournee. Es sind neun Konzerte geplant, die wohl kein Gebührenzahler in NRW jemals hören wird. Zum Orchester gehören 119 Musiker und etwas über ein Dutzend Verwaltungsmitarbeiter. Das zu bewegende Reisegewicht beträgt 9260 Kilogramm. Die Tarifgehälter bei Orchestern dieser Größe reichen von rund 2600 bis etwa 3700 Euro; bei der ARD liegen viele weit über 5000 Euro. Hinzu kommen Tätigkeitszulagen bis etwa 600 Euro, dazu weitere Zulagen für Instrumente, Garderobe, Saitenabnutzung und dergleichen mehr. Die jährlichen Kosten üppig ausgestatteter und mit internationalen Gästen arbeitender Sinfoniker übersteigen schnell 15 Millionen Euro im Jahr; genaue Zahlen will niemand nennen. [..]

Aber laut Landes-Statistik gibt es in NRW zwölf, laut Orchesterkonferenz Nordrhein-Westfalen sogar 20 weitere überwiegend kommunal finanzierte „Kulturorchester“ mit rund 1700 Profi-Musikern, die weit über 1500 Konzerte pro Jahr spielen. Braucht es da wirklich ein WDR-Sinfonieorchester? Neben dem WDR-Rundfunkorchester? Und dem WDR-Rundfunkchor? Und der WDR-Bigband? Schon vor 15 Jahren lagen die Kosten nur der WDR-Klangkörper jährlich bei rund 40 Millionen Euro. Müssen die ARD-Anstalten gemeinsam bundesweit gleich zwölf Sinfonie-Orchester unterhalten? „Keine andere Nation leistet sich eine annähernd opulente öffentlich-rechtliche Musik-Armada. Ihre Auftritte machen die ARD zum größten Konzertveranstalter Deutschlands“, staunte der „Focus“ im Jahr 2003, „sogar zum größten E-Musik-Produzenten der Welt“. Daran hat sich seitdem nichts geändert. Es ist nur teurer geworden.

Eine Recherche zu allen Rundfunkorchestern und -bands wäre jedoch in der Tat einmal überfällig.
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: unGEZahlt am 18. Oktober 2017, 21:08
Eine Recherche zu allen Rundfunkorchestern und -bands wäre jedoch in der Tat einmal überfällig.

Dito!  Da bin ich natürlich auch dafür.

Um Informationen zu erhalten, hatten Mitstreiter Rave und meine Wenigkeit
ja auch bereits schon einigen dieser "Klangkörper" sehr gut verständliche, berechtigte und beantwortbare Anfragen gestellt:
An WDR, SWR, BR, HR und MDR.

Selbstverständlich haben die abgeblockt.

( Einzig der MDR hatte eine Anfrage-abweichende Werbeantwort für sein Orchester gesandt:
Rundfunkbeitragsfinanzierte Orchester auf Auslands-Tourneen
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,21799.msg141733.html#msg141733 )


Fazit:
Infos zu den Orchestern bekommen wir jedenfalls schon mal nicht von den Anstalten selbst.

Aber wenn nicht von denen, woher dann ?

Markus



( Edit
Entschuldigung, aber das kann ich mir jetzt nicht verkneifen: Ich weiß, selbstverständlich fehlten jetzt natürlich noch die Anfragen an die RBB- und NDR-Kapellen.

Aber wenn man 7 Idioten vor sich hat, und 5 davon fragt, wieviel 1 +1 ist
und bekommt 4x die Antwort Nichts und 1x die Antwort 3 ,
dann vergeht einem die Lust, die anderen 2 Idioten auch noch zu befragen.  >:( )

Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: jasonbourne am 19. Oktober 2017, 13:51
Sehr verbreitungswürdiger aufklärerischer Artikel!!!
So langsam scheinen die Erkenntnisse um sich zu greifen und "hoffähig" zu werden... ;)

Ich finde ihn auch gut, habe nur einen Kritikpunkt denn man nicht so unkommentiert stehen lassen kann:

" Nach der umstrittenen Finanzierungsumstellung 2013 von der alten GEZ (geräteabhängig; wer nutzt, zahlt) auf den steuerähnlichen Rundfunkbeitrag (jeder zahlt, auch ohne Nutzung) haben ARD und ZDF Überschüsse in Milliardenhöhe angehäuft."

Auch die alte GEZ hatte nichts mit Nutzung zu tun, es wurde einfach jedes Gerät zum Mediengerät erklärt und selbst ein altes Nokia 3310 war aufgrund der Möglichkeit mit einem Headset Radio zu empfangen gebührenpflichtig.

De facto war es noch nie Nutzungsabhängig, denn so mussten z.b. Schulen für Fernseher zahlen die einzig zur Wiedergabe von Lehrfilmen genutzt wurden.
Obwohl nicht mal angeschlossen.

Die einzig faire Lösung: Wer zahlt, bekommt zugang und ansonsten ist das Programm verschlüsselt.

Technisch möglich, und auch gesetzlich bestimmt darstellbar.
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: DumbTV am 20. Oktober 2017, 18:20
Und wo spielen die Orchester? Auch in der luxuriösen Elbphilharmonie und zahlen dafür natürlich auch Luxuspreise, selbstverständlich aus den GEZwangsbeiträgen  >:(

Zitat
[..] Der NDR stellt das Haus-Orchester, die früheren NDR-Sinfoniker. Und zahlt dafür an Miete für die Elphi rund 913 000 Euro pro Jahr plus Inflationsausgleich. Die Musiker-Gehälter kommen obendrauf. [..]

Wie? Rundfunkbeitrag für Elphi? Wussten Sie nicht? Ist aber so.
https://gez-boykott.de/Forum/index.php/topic,21567.msg138142.html#msg138142
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: boykott2015 am 05. Dezember 2017, 11:44
FragDenStaat: Radio Bremen erfüllt sein Auftrag nicht wie andere
https://fragdenstaat.de/anfrage/radio-bremen-erfullt-sein-auftrag-nicht-wie-andere-1/
Zitat
Während andere Landesrundfunkanstalten ihre eigene Orchester haben und ihr Auftrag erfüllen, hat das Radio Bremen weder ein Sinfonieorchester, noch eine Bigband oder gar eine Philharmonie. Radio Bremen erfüllt seinen Programmauftrag also nicht wie andere Rundfunkanstalten.

Welche Informationen haben Sie zu dieser Situation?

Antwort
Zitat
Die Senatskanzlei nimmt für den Senat der Freien Hansestadt Bremen lediglich die Rechtsaufsicht über Radio Bremen wahr (vgl. § 29 Abs. 1 S. 1 RBG). Ihr sind die zur Wahrnehmung dieser Aufgabe erforderlichen Auskünfte zu erteilen und Einsicht in die Unterlagen zu gewähren (§ 29 Abs. 1 S. 2 RBG). Eine umfassendes Einsichtsrecht in alle Unterlagen von Radio Bremen folgt aus der Rechtsaufsicht nicht. So ist der Rechtsaufsicht weitgehend entzogen, die Frage zu überprüfen, welche Sendungen und Programme Radio Bremen produziert. Dies gilt auch für die Frage, ob Radio Bremen ein Sinfonieorchester, eine Bigband oder eine Philharmonie unterhalten sollte.

Amtliche Informationen im Sinne von § 2 Nr. 1 BremIFG zu der Frage, weshalb Radio Bremen weder ein Sinfonieorchester noch eine Bigband noch eine Philharmonie betreibt, liegen daher in der Senatskanzlei nicht vor.
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: drboe am 05. Dezember 2017, 13:41
Der Fragesteller ist entweder völlig ahnungslos was den Auftrag der Anstalten angeht, oder er hat vor seiner Frage einen Clown gefrühstückt. Ich kenne jedenfalls keinen Sender, der eine  Philharmonie errichtet hat. Und zum Auftrag eines ÖR-Senders gehört der Betrieb von eigenen Orchestern ebenso wenig wie die Beschäftigung von Hupfdohlen (Fernsehballett) oder das veranstalten von Gewinnspielen.

M. Boettcher
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: ellifh am 05. Dezember 2017, 15:31
Vielleicht hat der Fragesteller keinen Clown gefrühstückt ;D. Sondern es geht ihm eher darum, aufzuzeigen, das die Anstalten machen was sie wollen mit dem erpressten Geld. So jedenfalls waren die Gedanken von Person e, als sie das gelesen hat... ;)
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: volkuhl am 05. Dezember 2017, 15:51
...
Ich kenne jedenfalls keinen Sender, der eine  Philharmonie errichtet hat.
...

Errichtet nicht, aber als "Hauptmieter" maßgeblich mitfinanziert.
Inzwischen firmieren die ja sogar als "NDR Elbphilharmonie Orchester". (http://ndrorchesterakademie.de/)

Da ist es doch nur recht, wenn ich als Bremer von "meiner zuständigen Landesrundfunkanstalt" eine Gleichbehandlung fordere:
Weser-Philharmonie, hauseigenes Orchester und einen RB-Chantychor.

Der Auftrag interessiert doch sonst auch niemanden. Die haben auch keinen Erziehungsauftrag, versuchen das aber seit Gründung trotzdem penetrant.
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: drboe am 05. Dezember 2017, 19:12
Errichtet nicht, aber als "Hauptmieter" maßgeblich mitfinanziert.

Das ist völliger Quark! Die Elbphilharmonie hat mindestens 800 Mio Euro gekostet. Rechnet man Infrastrukturkosten hinzu, kommen noch einige 10 Mio dazu. Geld, das die Hamburger Steuerzahler aufgebracht haben. Ich bin einer davon und knirsche schon bei der Erwähnung des Namens dieses Musiktempels mit den Zähnen.

Der NDR zahlt nach unterschiedlichen Berichten jährlich zwischen 800.000 und knapp 1 Mio Euro (oben sind es 913.000). Selbst wenn der Betrieb der Elbphilharmonie nichts kosten würde, leider Fiktion, so müsste der NDR mindestens 800 Jahre lang dort aufspielen, bis der Betrag aufgebracht ist. Über die Kosten des Betriebs kursieren aber Zahlen von 20-30 Mio € jährlich. Selbst beim niedrigen Betrag dauert es nur 40 Jahre, bis die Baukosten noch einmal gelöhnt sind. Die Wahrheit ist also, dass die Besucher die Betriebskosten aufbringen und der NDR bzw. die Gebührenzahler im Sendegebiet des NDR ca. 3-5% beisteuern. Da es in Hamburg noch die Staatsoper und die Musikhalle im Eigentum der Stadt gibt, werden wir Hamburger wohl auch den Löwenanteil der Betriebskosten stemmen müssen, da die staatlichen Theater etc. eher defizitär sind. Wobei es letztlich egal ist, ob wir selbst hingehen oder bei leeren Sitzen z. B. in der Oper,  die Verluste über die von uns gezahlten Steuern ausgeglichen werden.
Tipp für Besucher: aufgepasst beim Kartenkauf! Die Veranstaltungen der "Elbphilharmonie" finden zum Teil in der Oper oder der Musikhalle statt. Da steht man u. U. mit seinen Tickets am falschen Haus, während die Veranstaltung, die man bezahlt hat, schon läuft. Dreifaches Pech! Keine "Elbphi", Geld weg, kein Konzert.

M. Boettcher
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: boykott2015 am 21. Dezember 2017, 15:15
Anfrage bei Radio Bremen
https://fragdenstaat.de/anfrage/radio-bremen-erfullt-sein-auftrag-nicht-wie-andere-2/
Zitat
Während andere Landesrundfunkanstalten ihre eigene Orchester haben und ihr Auftrag erfüllen, hat das Radio Bremen weder ein Sinfonieorchester, noch eine Bigband oder gar eine Philharmonie. Radio Bremen erfüllt seinen Programmauftrag also nicht wie andere Rundfunkanstalten.

Welche Informationen haben Sie zu dieser Situation?

Antwort:
Zitat
Der Auftrag von Radio Bremen ist im Radio Bremen-Gesetz in § 2 formuliert (http://www.radiobremen.de/unternehmen/organisation/gesetz108.pdf).  Daraus ergibt sich nicht wie von Ihnen vermutet, eine Pflicht, ein eigenes Sinfonieorchester, eine Bigband oder eine Philharmonie zu unterhalten.

Die vielen Konzerte, Mitschnitte und Produktionen von Radio Bremen mit namhaften Klangkörpern und Ensembles aus der Region belegen, dass die musikalische Vielfalt in den Programmen von Radio Bremen dem Kulturauftrag Rechnung trägt, ohne über einen eigenen Klangkörper zu verfügen.

Dazu gehören z.B. Hörfunkübertragungen und Produktionen mit  den Bremer Philharmonikern, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, dem Boston Early Music Festival und dem Musikfest Bremen oder z.B. mit dem Bremer Barockorchester oder dem Ensemble Weser Renaissance.

Radio Bremen berichtet zudem regelmäßig über musikalische Ereignisse, Premieren und Konzertveranstaltungen  in Bremen/Bremerhaven und Niedersachsen. In den Programmen sind Musikerinnen und Musiker aus den verschiedensten Genres zu Gast.

Die Kompetenz von Radio Bremen belegt auch die Auszeichnung  der Radio Bremen-Tonmeisterin Renate Wolters-Seevers mit dem Grammy für die mit dem Boston Early Music Festival (USA) produzierte Barockoper „La Descente d’Orphée aux Enfers“ (Orpheus in der Unterwelt) im Bremer Sendesaal.
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: unGEZahlt am 21. Dezember 2017, 19:43
Danke für den Einsatz, Boykott.

Radio Bremen versteckt sich also hinter dem „Radio-Bremen-Gesetz“.

Die Bremer und Bremerhavener Obdachhabenden Zwangszahler bekommen von dem ihnen zugeteilten zwangszubezahlenden Radio Bremen lt. Gesetz also keine Orchester-Leistungen!
Die anderen Zahler bekommen von ihren zugeteilten obligatorisch zu finanzierenden Anstalten aber jeweils jedenfalls Orchesterleistungen (WDR, SWR, BR usw..)

Das ist doch eklatante Ungleichbehandlung gegenüber den Bremern und Bremerhavenern!
Da hat de Bremische Bürgschaft für das angeblichen staatsunabhängige Radio Bremen doch ein sehr fehlerhaftes Gesetz erlassen.

Dieses „Radio-Bremen-Gesetz“  wirft natürlich noch mehr Widersprüche auf. Z. Bsp.:
Zitat
Abschnitt 1, § 2 Auftrag

(5) Der Auftrag der Anstalt umfasst,

4. programmbegleitend Druckwerke mit programmbezogenem Inhalt
, auch in Gemeinschaft mit anderen Rundfunkanstalten, zu veröffentlichen, wenn dies zur Erfüllung ihrer Aufgabe erforderlich ist,……


Das qualitativ äußerst schlechte RadioBremen-„Programm“ muss, um verbessert zu werden, journalistische Druckbegleitung bekommen.
Aber diese journalistische Qualitäts-Hilfe wurde, trotz klarer Gesetzeslage, nie umgesetzt.

Mein Fazit (ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken kann):
Der Käsesender Radio Bremen missachtet das inkompetente „Radio-Bremen-Gesetz“.

Markus
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: Kurt am 21. Dezember 2017, 20:02
Zitat
Der Auftrag von Radio Bremen ist im Radio Bremen-Gesetz in § 2 formuliert (http://www.radiobremen.de/unternehmen/organisation/gesetz108.pdf).
Daraus ergibt sich nicht wie von Ihnen vermutet, eine Pflicht, ein eigenes Sinfonieorchester, eine Bigband oder eine Philharmonie zu unterhalten.
Quelle: https://fragdenstaat.de/anfrage/radio-bremen-erfullt-sein-auftrag-nicht-wie-andere-2/

Drehen wir den Spieß doch um und fragen diejenigen LRA welche eigenes Sinfonieorchester, Bigband oder Philharmonie unterhalten woher sie denn das Recht haben?

Gruß
Kurt
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: Bürger am 22. Dezember 2017, 22:38
Die Antwort aus Bremen ist in der Tat sehr "hübsch"... ;) und sollte auch gerichtlich verwertet werden.
Natürlich mit der (In-)Fragestellung bzgl. der "Beauftragung" zum "Unterhalten" eigener Klangkörper.

Ich gehe derweil davon aus, dass in keinem der Rundfunkanstalts-Staatsverträge ein solcher "Auftrag" eigener Klangkörper erteilt wurde, womit automatisch die Frage der Zulässigkeit und der "Funktionsnotwendigkeit" solcher eigenen Klangkörper steht.

Immerhin wurde in Bremen die Rundfunkanstalt neben "Rundfunk" sogar auch mit "Telemedien" beauftragt :o ::) ???
http://www.radiobremen.de/unternehmen/organisation/gesetz108.pdf
Zitat
§ 2 Auftrag
[...] Rundfunk zu veranstalten und Telemedien anzubieten.

Im MDR-Staatsvertrag gibt es weder eine Beauftragung für "Telemedien" noch für eigene Klangkörper (und ganz nebenbei auch keine "Beauftragung" für nach außen gerichtete "Verwaltungstätigkeit"), sondern ausschließlich für die "Veranstaltung von Rundfunk" - siehe u.a. unter
https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift_gesamt/2509/2080.html
Zitat
§ 1 Aufgabe und Rechtsform
(1) Die Rundfunkanstalt Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) wird als gemeinnützige rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts zur Veranstaltung von Rundfunk in den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (Sendegebiet) mit Sitz in Leipzig errichtet.
[...]

§ 6 Programmauftrag
(1) Der MDR hat in seinen Sendungen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm soll der Information und Bildung sowie der Beratung und Unterhaltung dienen und hat dem kulturellen Auftrag des Rundfunks zu entsprechen. Er dient der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung.
(2) Die Gliederung des Sendegebietes in Länder ist auch in den gemeinsam veranstalteten Programmen angemessen zu berücksichtigen.
(3) Die Sendungen des MDR haben den Belangen aller Bevölkerungsgruppen, auch der Minderheiten, Rechnung zu tragen.
(4) Die Sendungen des MDR sollen auch einen angemessenen Anteil von Werken europäischen Ursprungs enthalten.

Wie es also sein kann und darf, dass Radio(sic!) Bremen auch einen (sehr wahrscheinlich nicht öffentlich ausgeschriebenen) "Telemedienauftrag" hat, wäre wohl ebenso noch zu prüfen, wie warum andere ö.r. Rundfunksender, die einen solchen Auftrag gar nicht haben, überhaupt Telemedien anbieten oder sich - trotz ebenso fehlenden Auftrags - eigene Klangkörper halten.

Egal, wo man in diesem Pfuhl herumstochert:
Es scheint bodenlos - und die Gase dieses Morastes stinken dabei gewaltig zum Himmel... >:(


Vorschlag bzw. Bitte @alle:
Diese sehr wahrscheinlich sehr umfangreiche Thema der "Beauftragung" und der darüber hinausgehenden oder diesen Auftrag nicht erfüllenden "Leistungen" und Tätigkeiten der Rundfunkanstalten sollte nicht hier in den irgendwann ins Archiv wandernden Pressemeldungen, sondern gut aufbereitet in eigenständigem/ eigenständigen Thread/s aufgerollt und vertieft werden.
Danke für das Verständnis und die Berücksichtigung.
Titel: Re: Zukunft von ARD und ZDF: Gehören Sinfonieorchester zur Grundversorgung?
Beitrag von: pinguin am 22. Dezember 2017, 23:11
Ich gehe derweil davon aus, dass in keinem der Rundfunkanstalts-Staatsverträge ein solcher "Auftrag" eigener Klangkörper erteilt wurde, [...]

->
Staatsvertrag über die Errichtung einer gemeinsamen Rundfunkanstalt der Länder Berlin und Brandenburg
https://www.berlin-brandenburg.de/zusammenarbeit/dokumente-und-berichte/staatsvertraege/rundfunkstaatsvertrag/
Zitat
§ 29 Zweckbindung zusätzlicher Rundfunkgebührenmittel
(1) Die nach § 15 Abs. 1 Satz 2 des Staatsvertrages über die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg im Bereich des Rundfunks von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg an den Rundfunk Berlin-Brandenburg abgeführten Rundfunkgebührenüberschüsse werden vom Rundfunk Berlin-Brandenburg
1. zur Erfüllung seiner gesellschaftsrechtlichen Verpflichtungen gegenüber der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH, und zwar auch durch die Inanspruchnahme kostendeckend zu vergütender Dienste und die Förderung besonderer künstlerischer Projekte der Klangkörper der Rundfunk-Orchester und -Chöre GmbH,
2. für Zwecke der Film- und Hörspielförderung im Sendegebiet,
3. für die Förderung neuer Programm- und Verbreitungsformen, zum Beispiel unter Anwendung digitaler Technologien und
4. für Zwecke der rundfunkspezifischen Aus- und Weiterbildung verwendet.

Zitat
zu § 29 Die Vertragspartner gehen davon aus, dass die Rückflussmittel der MABB unter Berücksichtigung des Gebührenaufkommens in beiden Ländern und unter Anrechnung der vom SFB übernommenen gesellschaftlichen Verpflichtungen gegenüber der Rundfunk-Orchester und Chöre GmbH eingesetzt werden.

Rundfunk-Orchester und Chöre GmbH
https://www.roc-berlin.de/content/ueber_uns/index_ger.html
Zitat
Die roc berlin wurde von DeutschlandRadio Berlin, der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Berlin und dem Sender Freies Berlin (heute: Rundfunk Berlin-Brandenburg) gegründet und nahm ihre Arbeit am 1. Januar 1994 auf.