Autor Thema: TV und Religion - Gottes bunter Vogel  (Gelesen 775 mal)

Offline ChrisLPZ

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TV und Religion - Gottes bunter Vogel
« am: 01. August 2016, 07:02 »

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sz.de, 31.07.2016

TV und Religion
Gottes bunter Vogel
von Matthias Drobinski

Zitat
Kaum jemand konnte Fragen der Religion im Fernsehen besser vermitteln als Meinhard Schmidt-Degenhard. Die Kirche hielt er sich 30 Jahre lang vom Leib. Zum Abschied findet er versöhnliche Töne.

Er hat den Text wieder hervorgekramt, der damals so viel Ärger machte. Hat ihn eingescannt und gemailt. Betreff: Gutenachtlektüre. 1987 hat er ihn geschrieben, Meinhard Schmidt-Degenhard war 31 und seit einem Jahr Redakteur bei der Religionssendung Horizonte des Hessischen Rundfunks, Abteilung Fernsehen. Der Beitrag, erschienen im "Informationsdienst Hörfunk und Fernsehen" des Evangelischen Pressedienstes, berichtet vom Besuch zweier sehr spezieller Rundfunkräte. "Zwei Herren in Grau, deren Amtstracht normalerweise schwarz ist und die allzu gern einmal rot sehen. Bissig, ein wenig verkrampft lächelnd bei Kaffee und Kuchen tun sie, was ihre Pflicht ist. Ich schaue ihnen bei ihrer Arbeit zu, den Lobbyisten beim Lobbyieren."

Krawumm, das saß. Kirchenvertreter als Lobbyisten! Wo sie doch für sich in Anspruch nehmen, fürs große Ganze, die Menschenwürde, das Gute schlechthin zu sprechen. Vor dreißig Jahren grenzte es an Blasphemie, das Lobbyismus zu nennen. Der damalige Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba nannte daraufhin Schmidt-Degenhards Magazin eine "unsägliche Show", in der "ein aus Bremen importierter Moderator vornehmlich Hexen, Huren und Schwule als Horizonte der Kirche" präsentiere.[..]

1988 ist er aus der Kirche ausgetreten, wie um den Lobbyisten zu zeigen: Ihr kriegt mich nicht. Aber hat sich seither wirklich etwas geändert im Verhältnis zwischen Kirche und öffentlich-rechtlichem Fernsehen?

"Im Grunde ist es immer noch so", sagt Schmidt-Degenhard. Tatsächlich? Er macht eine Pause und antwortet: "Nein." Ja und nein, es stimmt wohl beides. Weil sich die religiöse Landschaft geändert hat und damit alles, was im deutschen Fernsehen über Gott, den Glauben und die Gläubigen gesendet wird.

Vor 30 Jahren standen die Institutionen stark und fest. Fast alle Westdeutschen gehörten der evangelischen oder katholischen Kirche an, fast alle schauten ARD oder ZDF. Das Privatfernsehen steckte in den Kinderschuhen, die Fernsehgemeinde versammelte sich am Samstag, die Christengemeinde am Sonntag. Ja, die Kirchen sind wichtig geblieben, der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch. Noch nie waren so viele Kirchenvertreter Vorsitzende in Rundfunkräten. Und trotzdem sei nichts mehr wie damals, als ein höchst streitbarer Fuldaer Erzbischof Johannes Dyba auf einen ebenso selbstbewussten Hessischen Rundfunk traf, sagt Schmidt-Degenhard: "Die medienpolitische Koalition zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und den Kirchen ist auch eine Koalition der Verunsicherten." Beide Institutionen hätten in der Gesellschaft dramatisch an Vertrauen verloren und müssten darum kämpfen, nicht noch mehr Vertrauen zu verlieren.

Das schweißt zusammen: der Eindruck, eigentlich ein gutes Angebot für die Menschen zu haben und doch zu zweifeln, ob das Angebot auch ankommt.[..]

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http://www.sueddeutsche.de/medien/tv-und-religion-gottes-bunter-vogel-1.3102057


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