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Autor Thema: NZZ: Manipulationen aufgedeckt – doch der örR beweihräuchert sich selbst  (Gelesen 1535 mal)

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Neue Zürcher Zeitung (Abo), 01.03.2019

«Der andere Blick»
Manipulationen aufgedeckt – doch der öffentlich-rechtliche Rundfunk beweihräuchert sich selbst

Die staatlich alimentierten Sender haben sich mit Moral gepanzert: Wir sind die Guten, die für die Demokratie sorgen. An diesem Schutzwall prallt alle Kritik ab. Es ist Zeit, das zu ändern.

Ein Kommentar von Eric Gujer

Zitat
Der grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, liebt unverblümte Sätze und lockere Sprüche. Über Berlin sagte er: «Achtung, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands.» Das nahm man Palmer in der Hauptstadt übel, und so lud ihn die örtliche CDU zu einer Ortsbesichtigung ein – inklusive improvisierter Pressekonferenz. Ein RBB-Reporter stellte dem Schwaben die Frage, ob er seine Bemerkung wiederholen würde. Die Antwort, wie sie der Berliner ARD-Sender in seiner «Abendschau» brachte, fiel befremdlich aus. Palmer giggelte und gackerte sekundenlang. Doch das war eine absichtsvolle Fälschung einer Redaktion, die für sich in Anspruch nimmt, eine seriöse Informationssendung zu produzieren.

Palmer hatte nicht gelacht, sondern in seiner Antwort festgehalten, dass er zu seiner ironisch gemeinten Zuspitzung weiter stehe. Weil mehrere Zeitungen das auch so wiedergaben, fragten die Medienkritiker von «Übermedien» beim RBB nach.
Wie so oft, wenn der öffentlichrechtliche Rundfunk ertappt wird, wand man sich. Die Redaktion habe den Besuch Palmers «augenzwinkernd und mit satirischem Einschlag» kommentiert. Man habe vielleicht nicht genug deutlich gemacht, dass das Lachen nicht die richtige Antwort gewesen sei. Eine grobe Fälschung als Satire zu bezeichnen, das ist schon die nächste Verfälschung.
[…]

Das öffentlichrechtliche System strotzt vor Selbstgerechtigkeit. Die Verklärung einer Zwangsgebühr zur «Demokratie-Abgabe» ist nur ein Beispiel dafür. Vor kurzem wurde ein Manual zur Manipulation der Öffentlichkeit im Sinn der Fernsehanstalten und zur Diskreditierung ihrer privatrechtlichen Wettbewerber publik. Dieser Leitfaden für öffentlichrechtlichen Neusprech übertrifft sogar Orwells dystopischen Roman «1984» an sprachpolitischem Furor.

«Die Arbeit der ARD ist von moralischen Prinzipien getragen», heisst es darin gleich zu Beginn. Damit jeder die Moral zu würdigen wisse, müsse man sie den Bürgern mit stereotypen Formeln (Frames) einbläuen: Nicht öffentlichrechtliche Sender solle man sagen, sondern «unser gemeinsamer, freier Rundfunk», nicht Fernsehgebühr, sondern «unser gemeinsames Rundfunk-Kapital», das «unsere Eltern und Grosseltern mit eigenen Händen aufgebaut haben», damit wir es an unsere «Kinder und Enkelkinder» weitergeben.

Klangen schon diese Vorgaben wie die Parolen einer Sekte, kam es an anderer Stelle noch schlimmer. Die ARD dürfe nicht in die Lage geraten, «sich ständig für die Qualität und Vielfalt ihres Programms rechtfertigen zu müssen». Das Gutachten empfiehlt den Redaktoren also, sich gegen Kritik zu immunisieren. Gilt in anderen Redaktionsstuben der Grundsatz, die eigene Arbeit kritisch zu hinterfragen, glaubt die ARD anscheinend, sich nicht rechtfertigen zu müssen. In der DDR hiess es in einem Propagandalied über die SED: «Die Partei, die Partei, die hat immer recht.» Der öffentlichrechtliche Rundfunk, der hat anscheinend auch immer recht. Eine hermetische Welt, basierend auf moralischen Prinzipien.
[…]

Der öffentlichrechtliche Rundfunk muss transparenter werden; er muss sich öffnen für Kritik, und er sollte sich reformieren: weniger Redaktionen, weniger Programm – das dann aber auf einem gleichmässig hohen Niveau und ohne impertinente Selbstbeweihräucherung.

Weiterlesen auf:
https://www.nzz.ch/international/deutschland/der-andere-blick-manipulationen-aufgedeckt-doch-der-oeffentlich-rechtliche-rundfunk-beweihraeuchert-sich-selbst-ld.1463811


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  • IP logged  »Letzte Änderung: 01. März 2019, 12:47 von ChrisLPZ«
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