Autor Thema: "So viel Geldverschwendung hält kein System aus"  (Gelesen 402 mal)

Offline faust

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Spiegel, 13.06.2018

Rundfunkdebatte:
"So viel Geldverschwendung hält kein System aus"

Interview von Christian Buß mit Carsten Brosda (SPD) (Kultursenator von Hamburg und profilierter Medienpolitiker. Gemeinsam mit Kollegen aus fünf weiteren Bundesländern hat er in einer Arbeitsgruppe ein Papier zur Neubeauftragung von ARD und ZDF erarbeitet)

Zitat
Die Politik ist sich einig: ARD und ZDF sollen sich strukturell neu aufstellen. An diesem Mittwoch trifft sich in Berlin deshalb die Rundfunkkommission der Länder - es wird bei der Sitzung auch um die Frage gehen, wie damit umzugehen ist, dass ARD und ZDF bislang nicht den von den Ländern geforderten Sparmaßnahmen nachgekommen sind.

Ein Zwischenbericht der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) attestierte den öffentlich-rechtlichen Anstalten im Februar für die nächsten zwei Jahre einen Überschuss von mehr als 500 Millionen Euro. Ministerpräsidentin Malu Dreyer, die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, bestand danach darauf, dass die Sender ihre zuvor vorgelegten Sparvorschläge noch einmal überarbeiten. Doch die mauerten. […]

Weiterlesen auf:
http://www.spiegel.de/kultur/tv/rundfunkgebuehren-so-viel-geldverschwendung-haelt-kein-system-aus-a-1212241.html

Anmerkung:
... ich dachte schon: JETZT GEHTS LOS, jetzt kommen sie endlich alle aus der Deckung !

ABER: Die Überschrift ist toll, der Rest leider nicht.
Nun, der Herr ist ja auch in der SPD, die ein weiteres gesellschaftliches Auslaufmodell ist.
Scheint so, als hätten wir - wenn nicht in Karlsruhe die Abrissbirne geschwungen wird - noch viel Arbeit.

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Edit "ChrisLPZ":
Layout angepasst und in Pressemeldungen verschoben


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« Letzte Änderung: 13. Juni 2018, 21:33 von Bürger »

Offline jasonbourne

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Re: "So viel Geldverschwendung hält kein System aus"
« Antwort #1 am: 13. Juni 2018, 16:52 »
Ich nehme das mal auf und kommentiere Aussagen. Alle Zitate aus obigem Artikel.

Vorweg: Schon der Titel ist gewagt, denn die eigentliche Verschwendung wird nicht thematisiert, auch die zugrunde liegende Struktur mit der Höhe der Finanzierung über die KEF, die ein Selbstbedienungsladen ist und das Schachern mit Aussagen von z.B. ARD Vorsitzenden Wilhelm "in 2 Jahren fehlen 3 Mrd. die wir im Programm einsparen müssen" zeigen das auf. Kein Wort dazu.

Zitat
Wir brauchen auch in Zukunft einen qualitativ hochwertigen und attraktiven öffentlich-rechtlichen Rundfunk als eine starke Säule unseres Mediensystems
Soso, wir sagen einfach das braucht es.
Wer sagt das?
Warum brauchen wir das?

Wir haben alles an Medien auf Privat abgedeckt, wir leben dank des techn. Fortschritts in einem Zeitalter in dem Informationen ohne Aufwand (bits und bytes zu kopieren ist keiner) in Echtzeit verbreitet werden können und die Information so leicht und einfach zugänglich war wie noch nie.
Mittels des Internets kann heute jeder sowohl Konsument als auch Produzent von Medien sein - etwas, das früher nur mit großen Sendeanstalten ging.

Es gibt auch keinerlei Anzeichen, dass der ÖRR etwas besser oder anders macht als z.B. die Privatsender. Der ÖRR kopiert deren Konzepte, kauft deren Personal und ist gleichsam quotengeil. Obendrein kommt, dass sich der ÖRR aus historischen Gründen v.a. auf das Fernsehen konzentriert - dafür werden die meisten Mittel ausgeben.

Wer einfach festlegen will, dass es einen ÖRR braucht, der irrt. Die BRD gab es vor dem ÖRR, es gab sie, als der ÖRR mit einem Programm unter Teillast gesendet hat und der Großteil der Bevölkerung keinen Fernseher hatte.

Zitat
Die Eigenverantwortung der Sender muss im neuen Staatsvertrag erhöht werden.
Weil die "Eigenverantwortung" des ÖRR so gut funktioniert hat. Das System wächst immer weiter, um jede auch noch so kleine Nische abzudecken, nach der Kausalkette: Wir müssen alles abdecken, darum senden wir immer mehr, der Bürger zahlt eh, und wenn es ums Geld geht (siehe oben) sagen wir "sparen ist nicht", weil es sonst ans Programm geht.
Eine wunderschöne Situation.

Ich sehe das Gegenteil als wahr:
Die Sender müssen klar vorgeschrieben bekommen, was zur Grundversorgung gehört. Ansonsten wächst das System unkontrolliert weiter. Bereits heute sind 90% des ÖRR-Programms nichts weiter als Unterhaltung und bei gesundem Menschenverstand nicht als essentielle Grundversorgung anzusehen. Trotzdem wird die Fussball WM übertragen, mit Millionen vom Gebührenzahler finanziert, obwohl Privatsender das genauso übertragen würden.

Zitat
Die Politik musste in der Vergangenheit jede Sendererweiterung wie ZDFneo, ZDFinfo, ZDfkultur oder das vom ZDF koproduzierte Jugendangebot Funk beauftragen - da sollten wir den Anstalten größere Flexibilität zugestehen. Muss ein Sender in Zeiten, in denen er viel mehr Plattformen zu bespielen hat, um sämtliche Zielgruppen zu erreichen, immer wieder zu den Ministerpräsidenten, um sich jede Aktivität einzeln genehmigen zu lassen?

Die Frage ist doch eine andere: Wo ist das Grundversorgung? ÖRR muss nicht "jede Plattform bespielen", er soll eine Grundversorgung sicherstellen, keine Vollversorgung. Das ist nicht sein Auftrag, und es ist ein Skandal, dass das ZDF mittlerweile -zig Spartensender betreibt, dabei aber gleichzeitig die Zielgruppe unter 50 wenig und die unter 35 gar nicht erreicht.
Die Wahrheit ist: ÖRR ist Rentnerrundfunk.

Zitat
SPIEGEL ONLINE: Den Abgabepflichtigen wird die von Ihnen beworbene Indexierung auch nicht passen.

Brosda: Da bin ich optimistisch: Die Bürgerinnen und Bürger gehen ja auch nicht bei steigenden Müll- und Straßennutzungsgebühren auf die Straße, wenn sie behutsam und verantwortungsvoll alle zwei Jahre hochgesetzt werden

Der Bürger hat bei Müllgebühren einen direkten und indirekten Nutzen- sein Müll wird weggebracht, und er profitiert von sauberer Umwelt und weniger Seuchen etc. Dazu fallen die Müllgebühren nach Menge und Nutzung an. Große Tonnen große Kosten, kleine Tonnen kleine Kosten - keine Tonne, ja, keine Kosten!
Straßennutzungsgebühren? Ich zahle jedenfalls keine Maut, und es zeigt wieder, wie weltfremd der Kollege Brosda ist.
Straßen werden aus Steuern finanziert und auch die Beihilfe beim Straßenbau ist rechtlich und staatstheoretisch höchst strittig.
Die Versuche, ÖRR nicht bezahlen zu müssen trotz Nicht-Nutzung, diesen Sisyphos-Stein rollen wir leider alle.

Zitat
Erfüllt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Auftrag, stellt er uns die diskursive Innenausstattung unserer Gesellschaft zur Verfügung?

Zitat
Nun ja, der Versuch, durch plakative Zuspitzung Reichweite zu machen, ist ja mehr oder weniger krachend gescheitert. Talkshows befinden sich ja derzeit eher in einer Krise. Ich glaube, dass die alte Quotenfixierung an Bedeutung verlieren wird. Es geht schließlich nicht mehr um die eine Einschaltquote, sondern um die Gesamtreichweite eines Programms über alle Ausspielkanäle. Gleichzeitig gibt es natürlich gute Gründe dafür, dass das Erste und das Zweite heißen wie sie heißen, sie sollen ja bitte nicht auf die Quotenplätze 21 und 24 rutschen. Die Politik hat den Anspruch, dass ARD und ZDF Reichweite machen. Und das mit qualitativ hochwertigem Fernsehen. Wenn ich mir so was wie den letzten "Polizeiruf" über Nazis und Rechtspopulisten aus Rostock ansehe, dann sehe ich den Anspruch von Quote und Qualität eingelöst.

Hier komme ich nicht mehr aus dem Lachen raus - ein fiktiver Film zur Unterhaltung setzt also diskursiv die Innenausstattung unserer Gesellschaft - und wie immer geht es dabei um die bösen Nazis (jaja, die AFDler!) und die Rechtspopulisten. Und das ist sowas von politisch von links eingefärbt: Jeder, der nicht bei "jeder Flüchtling bekommt Asyl" mitmacht, ist gleich einer dieser Nazis.

Ich will mich eigentlich nicht auf Inhalte versteifen, weil das eben am Ende zu dieser Zensurdebatte führt. Aber wenn ich dafür zahlen soll, dann will ich ein Mitspracherecht, und wenn ich mal irgendwo zufällig was im Fernsehen sehe, und dann online die Nachrichten lese und hier in München auf die Straßen schaue, dann passt das nicht zusammen. Im Fernsehen ist dieses Multikulti-Ding immer super, real dagegen sehe ich in München eine Innenstadt voller fremdländischer Obdachloser und Bettler, und die Probleme, die sehen inzwischen sogar Blinde.

Am Ende bleibt dieser Artikel wieder einer von denen, bei denen ein Systemblinder meint, er sei der innovative Kopf, ist von seinem Denkansatz aber so befangen, dass alles zu spät ist.

Die Sache ist einfach: In einem Zeitalter in dem die Post, die Bahn, die Telekom, die Lufthansa, etc. etc. alle privat sind, haben wir einen rieisgen zwangsfinanizerten Staatsrundfunk, den teuersten der Welt.
Und dafür ist dessen Leistung erbärmlich.

Falls jemand einen SPON Account hat, kann er gerne teile dieses Beitrags hier als Kommentar drunter setzen.
Bei sowas komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.


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« Letzte Änderung: 13. Juni 2018, 21:44 von Bürger »

Offline Bodi

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Re: "So viel Geldverschwendung hält kein System aus"
« Antwort #2 am: 13. Juni 2018, 19:21 »
Öffentlich-rechtlichen Sender um Sparvorschläge zu bitten ist so wie Frösche zu fragen wie man ihren Teich trockener legt.
Effektiv wird da nichts kommen.

Im Lauf der Jahrzehnte ist ein Riesenapparat entstanden, der alimentiert werden will.

Darüber, wie objektiv die Sender berichten, könnte man sich streiten.
Interessant ist aber auch und vor allem, worüber nicht berichtet wird.
Am meisten unterschlagen die Sender die Wahrheit aber bei sich selbst. Selbstkritik? Völlige Fehlanzeige.

Bei über 20 Fernsehprogrammen, über 70 Radiosendern und dem insgesamt mit großem Abstand teuersten öffentlich-rechtlichen Rundfunk der Welt noch von einer "Grundversorgung" zu sprechen, ist absurd. Darüber kann man nicht ernsthaft diskutieren.


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« Letzte Änderung: 13. Juni 2018, 21:45 von Bürger »

Online drboe

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Re: "So viel Geldverschwendung hält kein System aus"
« Antwort #3 am: 13. Juni 2018, 20:15 »
Ich finde den Vergleich mit dem Müll ziemlich gewagt. Es hat z. B. in Köln einen ziemlichen Skandal um den Müll gegeben. Vermutlich war das nicht der einzige. Müll wird teils zu "Wertstoff" umgewidmet und dann ohne nennenswerte Kontrollen außer Landes transportiert. Wir trennen, dennoch landet ein großer Teil in der Müllverbrennung, großartig "thermische Verwertung" genannt. Wir importieren Müll um die Auslastung von Müllverbrennungsanlagen zu gewährleisten. Übrigens: in Hamburg haben wir für Müll bezahlt, der dann nicht fachgerecht entsorgt wurde. Für die Sanierung der Deponien werden wir erneut zur Kasse gebeten. Und nein, man zahlt immer für Müll: es gibt in Hamburg eine Grundgebühr je Wohnung. Wir teilen uns eine Tonne mit den Nachbarn. Jeder zahlt die Hälfte zzgl. jeweils eine volle Grundgebühr. Wir sind auch verpflichtet eine blaue Tonne zu nehmen, weil die Stadtreinigung das Geschäft mit dem Altpapier entdeckt hat. Die kostet zwar nichts, aber wir müssen sie ja irgendwo hinstellen.

Was die Müllentsorgung mit dem sogn. Rundfunkbeitrag gemeinsam hat ist, dass in beiden Systemen viel Geld steckt, viel Unterschleif und Betrug möglich ist, niemand kontrollieren kann, ob ordentlich gearbeitet wird und die Preise gerechtfertigt sind, die zudem unaufhörlich steigen. Auch da kann man den Bogen überspannen. Müllbeseitigung ist wie der ÖR-Rundfunk ein riesiges, weitgehend unkontrollierbares Geschäft.

Brosda, der ja in Hamburg Senator ist, erzählt zudem Märchen. Gegen die für dieses Jahr von der Stadt geplante Straßenreinigungsgebühr, die nach Grundstücksfront bezahlt werden sollte, gab es so viel Gegenwind, dass die Stadt die Pläne beerdigte, bevor ein Cent kassiert wurde. Es gibt also Widerstand. Und von welchen "Straßenbenutzungsgebühren" redet der Mann?

M. Boettcher


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« Letzte Änderung: 13. Juni 2018, 21:46 von Bürger »
Während unseres endlosen Krieges gegen Syrien habe ich keinen einzigen glaubwürdigen Beweis dafür gesehen, dass die "Gasangriffe" von der syrischen Armee ausgingen. Und ich habe es satt, dass wir Syrien jedes Mal bombardieren, wenn Al-Qaidas "Weisshelme" ein weiteres Ereignis unter falscher Flagge veranstalten. Ein mutiger Journalist sollte sich fragen, warum alle Gasopfer Zivilisten sind und niemals die Terroristen selbst. (Richard H. Black, US-Senator, Republikaner, auf Facebook)

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Re: "So viel Geldverschwendung hält kein System aus"
« Antwort #4 am: 13. Juni 2018, 22:29 »
In der Tat eine provokative Überschrift, die sich nur auf diesen Satz bezieht.

Zitat von: Carsten Brosda
Das ging beim ZDF ja so weit, dass man ZDFkultur über ein Jahr weiterlaufen lassen musste, obwohl klar war, dass man die Aktivitäten eigentlich zu Funk verlagern wollte. So eine Geldverschwendung hält kein System aus, da müssen die Sender mehr Gestaltungsraum kriegen und so etwas künftig über die Rundfunk- und Fernsehräte entscheiden können.

ZDFKultur hatte in den letzten Jahren ein Jahresbudget von ca. 2 Mio. Euro. Das ist nicht wenig Geld, aber in Relation zu anderen Summen beim ÖRR (Übertragungsrechte Sport, Intendanten-Gehälter, Kosten großer Fernsehproduktionen etc.) eine kleine Kostenposition.

Leider liest man gar nichts bzgl. genereller Geldverschwendung beim ÖRR, wo bleibt das Thema Altersvorsorgung?

Herr Brosda spricht von zu wenig Gestaltungsraum für den ÖRR und möchte diesem mehr Eigenverantwortung zukommen lassen. Er geht aber in keinster Weise detailliert auf den bisherigen Auftrag ein bzw. erläutert, ob dieser überhaupt erfüllt wird?


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« Letzte Änderung: 14. Juni 2018, 01:46 von Bürger »
Ich konsumiere nicht, ergo bezahle ich auch nicht.

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